Die fünf Säulen der Gesundheit

​"Gesundheit ist nicht alles, aber ohne Gesundheit ist alles nichts." Dieses Zitat von Arthur Schopenhauer ist zwar schon ziemlich ausgelutscht, aber bist du schon mal mit einer richtigen Grippe im Bett gelegen und hast dir gedacht "richtig nice"? Oder denkst du, dass es Diabetikern Spaß macht, sich ständig eine Spritze zu setzen, bzw. mit einer Insulinpumpe rumzulaufen? Eben.
Obwohl unsere medizinische Versorgung immer besser wird und wir theoretisch das gesamte Wissen der Menschheit in unserer Hosentasche mit uns tragen, wird unsere Gesellschaft immer kränker. Immer mehr Menschen leiden an Übergewicht und lebensstilbedingten Krankheiten, wie Rückenbeschwerden, Depressionen, Diabetes Typ-II oder Bluthochdruck. In ihrer Not probieren sie die verschiedensten Dinge aus, seien es Diäten wie low carb, paleo, carnivor, Wundermittel und Pillen und was es noch alles gibt. Oder sie suchen Hilfe bei vermeintlichen "Experten", die ihre Methoden und Produkte mit einem gewaltigen Marketing-Budget auf Youtube und Co. an den Mann bringen wollen und deren primäres Anliegen nicht das Wohl der Menschen ist, sondern schlichtweg möglichst viel Kohle zu machen.

​Wie wäre es, sich zunächst Gedanken über seine Basis zu machen, bevor man sich in die Abhängigkeit von Tabletten oder irgendwelchen Experten begibt oder sich unter´s Messer legt?
Der Soziologe Aaron Antonovsky beschreibt Gesundheit nicht als einen festen Zustand, sondern als Prozess. Wir befinden uns ständig in einem Kontinuum zwischen Gesundheit und Krankheit. Je nachdem ob unsere Schutzfaktoren (Bewegung, Ernährung, Schlaf, Familie, etc.) oder unsere Risikofaktoren (Stress, Bewegungsmangel, schlechte Ernährung, negative Umwelteinflüsse) dominieren, bewegen wir uns mehr in Richtung Gesundheit oder eben Krankheit. Das bedeutet aber auch im Umkehrschluss, dass wir es durch unser tägliches Handeln und unseren Lebensstil selbst in der Hand haben, welchen Weg wir einschlagen.

​Die 5 Säulen der Gesundheit

Bewegung

Dieser Körper, der dich Tag für Tag durch dein Leben trägt, nennt sich auch BEWEGUNGSapparat. Wie der Name schon sagt, will bzw. muss er bewegt werden, um richtig zu funktionieren. Unsere Muskeln, Knochen, Sehnen, Bänder und Knorpel brauchen Bewegung und die damit verbundene Belastung, ansonsten bauen sie ab. Unsere Knochen demineralisieren und werden spröde ohne ausreichend Bewegung, unsere Muskeln und Sehnen werden ohne ausreichende Reize schwächer und können unseren Körper nicht mehr ausreichend stabilisieren. Unsere Bänder, Bandscheiben und Knorpel werden nur durch Bewegung mit Nährstoffen und Flüssigkeit versorgt. Unser Herz-Kreislaufsystem, Atmungs- und Verdauungssystem ist auf ausreichend Bewegung angewiesen, um optimal zu funktionieren. Selbst unser Hirn arbeitet und lernt nur dann richtig, wenn wir uns ausreichend bewegen. Kurzum, unser Körper schreit nach Bewegung. Also beweg dich, solang du es noch kannst! Wenn du im Büro merkst, dass dein Nacken verspannt oder dein Rücken schmerzt, beweg dich! Checke regelmäßig, ob deine Gelenke noch das tun, was sie können sollten. Kannst du in eine tiefe Hocke gehen und bleiben, ohne dass dir alles weh tut? Kannst du deine Arme über Kopf strecken? Kannst du dich im Stehen nach vorne beugen und mit deinen Fingern den Boden berühren? Nein? Dann arbeite daran! Denn irgendwann wirst du diesen Bewegungsspielraum vermissen.

Schlaf

Unser Körper braucht zwischen 7 und 9 Stunden qualitativ hochwertigen Schlaf, um richtig zu funktionieren.
Daran gibt es nichts zu diskutieren. Es gibt ein paar wenige Menschen, die genetisch bedingt mit weniger auskommen, aber DU gehörst, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit, nicht dazu! Es ist wahrscheinlicher, dass du vom Blitz getroffen wirst.
Der Umstand, dass jedes Lebewesen schläft und sich dies im Laufe der Evolution nicht geändert hat, obwohl dieser komatöse Zustand, in dem man bewegungsunfähig und von der Außenwelt abgeschnitten ist, demnach auch Umweltgefahren und Fressfeinden schutzlos ausgeliefert ist, für das Überleben nicht wirklich förderlich zu sein scheint, sollte einem klarmachen, dass Schlaf auf irgendeine Art wichtig für uns sein muss.
Im Schlaf regenerieren wir, unser Immunsystem arbeitet auf Hochtouren, Wachstumshormone werden ausgeschüttet und unser Hirn wird Abfallprodukte los. Im Schlaf verarbeiten wir die Eindrücke, die über den Tag auf uns einwirken, speichern wir Gelerntes ab und verknüpfen es mit dem bestehenden Wissen und Erfahrungen (Eltern: Lasst eure Kinder zumindest am Wochenende ausschlafen und wundert euch nicht, wenn sie nachmittags nach der Schule schlafen, im Gegenteil: Ermutigt sie dazu, sie brauchen diesen Schlaf). Des Weiteren verarbeiten wir Emotionen im Schlaf. Schlafen wir zu wenig, ​sind wir anfälliger für Überreaktionen, Stimmungsschwankungen und Depressionen.
Wie du erkennst, ob du genug Schlaf hattest? Wachst du morgens auf und fühlst dich erholt und fit? Nein? Dann hattest du zu wenig Schlaf.
Um deine Schlafqualität und -quantität zu verbessern, gibt es ein paar Grundregeln, die du beachten solltest. Keine Bildschirme im Schlafzimmer. Das darin enthaltene blaue Licht wirkt aktivierend auf unser Nervensystem und sorgt dafür, dass du schlechter einschlafen kannst. Sorge für eine optimale Umgebung: Ein dunkles Schlafzimmer und eine Raumtemperatur von 18° Celsius sind ideal. Du kannst nicht einschlafen? Atemübungen entspannen dein Nervensystem und sorgen dafür, dass du sanft in den Schlaf gleitest. Und zu guter Letzt: Leg dich 8 Stunden bevor du aufstehen musst ins Bett.

Ernährung

Nahrung versorgt uns mit Energie und den Stoffen, die unser Körper benötigt, um zu funktionieren. Gleichzeitig ist Nahrung Genuss, den wir mit allen Sinnen wahrnehmen sollten. Dazu kommt die soziale Komponente, wenn wir gemeinsam mit unserer Familie und Freunde essen. Essen sollte Spaß machen und uns glücklich machen. Doch in Zeiten, in denen ein regelrechter Krieg zwischen den Vertretern verschiedener Ernährungsformen geführt wird und alle Daumenlang ein anderes Lebensmittel verteufelt wird, herrscht Verunsicherung darüber, was man überhaupt noch essen soll. Worüber allgemeiner Konsens herrscht ist, dass wir schlichtweg weniger oft essen sollten. Längere Fastenperioden - und hier reichen schon mehre Stunden ohne Essen am Tag - sorgen dafür, dass unser Verdauungssystem entlastet wird und sich um die Selbstreinigung kümmern kann. Außerdem wird unsere Bauchspeicheldrüse entlastet, weil sie nicht ständig Insulin ausschütten muss.
Was weiter keiner kritisieren dürfte, ist, möglichst viele unverarbeitete Lebensmittel zu kaufen und diese selbst zuzubereiten. Dadurch weißt du genau was in deinem Essen steckt. Was mich zum nächsten Punkt bringt. Iss keine Sachen, deren Inhaltsstoffe du nicht kennst. Wenn du bei Lebensmitteln in den Inhaltsstoffen Dinge liest, die du nicht aussprechen kannst, geschweige denn weißt, was das ist, lass die Finger davon. Investiere dein Geld lieber in qualitativ hochwertige Lebensmittel, gerne bio, regional und saisonal. Und wann immer du die Gelegenheit hast, wilde Nahrungsmittel (das meiste Bio-Obst und Gemüse, mit intensiven Farben) zu bekommen, greif zu. Diese Nahrungsmittel enthalten Pflanzenschutzstoffe, die sich positiv auf unser Immunsystem und unsere Epigenetik auswirken. 

Emotionale Gesundheit

Emotionen sind Energie in Bewegung. Diese können in positiven, aber auch in negativen Bahnen verlaufen und haben unmittelbare Auswirkungen auf unsere physische und psychische Gesundheit. Wir leben in einer Welt, in der wir rund um die Uhr mit äußeren Einflüssen konfrontiert werden. Eine Nachricht hier, ein Meeting da, neue Stories und Beiträge auf Instagram und Co., nebenbei läuft im Hintergrund das Radio oder der Fernseher, am Abend können wir nicht einschlafen, weil wir über Probleme in der Arbeit grübeln, eine Deadline für ein Projekt bevorsteht oder das Geld am Ende des Monats knapp wird. Dies führt dazu, dass sich unser Nervensystem permanent im Fight-or-flight-Modus befindet. Wir sind angespannt, unruhig, Puls und Blutdruck sind erhöht. Das ist normalerweise auch sehr sinnvoll. Werden wir mit einer Gefahr konfrontiert, können wir so schnell reagieren. Handelt es sich dabei allerdings um den Dauerzustand, hat das negative Auswirkungen auf unsere Gesundheit. Deshalb ist es wichtig, dass wir unser Nervensystem regelmäßig wieder beruhigen. Wenn ich mich von einem Problem völlig übermannt fühle und nicht weiß, wie ich die Situation in den Griff bekommen soll - und das ist erstaunlich oft der Fall - gehe ich raus in die Natur und mache einen Spaziergang. Klingt erstmal völlig banal, aber durch die Bewegung in der Natur, die frische​ Luft und fern ab von dem permanenten Input, entspannt sich meine Atmung und mein Geist und Nervensystem beruhigen sich. Nach 20-30 Minuten fühle ich mich in der Regel wesentlich besser und wenn das noch nicht reicht, gehe ich einfach weiter.
Eine andere Möglichkeit, um sein Nervensystem zu regulieren und somit auch seine Emotionen in positive Bahnen zu leiten, sind Atemübungen und Meditationen. Um mehr positive Gedanken in dein Leben zu bringen, kannst du auch ein Journal führen (dasselbe wie ein Tagebuch, hört sich nur nicht so kitschig an). Schreibe jeden Tag auf, wofür du dankbar bist in deinem Leben, es gibt so vieles, wir müssen uns nur darüber bewusst werden. Allein die Tatsache, dass wir hier geboren sind, keinen Hunger leiden müssen, sozial abgesichert sind und es uns an nichts Lebenswichtigem fehlt, sollte uns schon mit so viel Dankbarkeit erfüllen. Dann schreibe auf, was du Schönes an diesem Tag erlebt hast. Das können Kleinigkeiten sein, wie dass dir die Verkäuferin im Supermarkt ein Lächeln geschenkt hat, oder dass dir jemand auf dem Weg zur Arbeit die Vorfahrt überlassen hat. Uns passieren ständig so viele positive Dinge, wir müssen sie nur wahrnehmen. Und als Letztes frage dich, was du heute Gutes für jemanden getan hast. Das können auch wieder Kleinigkeiten sein, wie jemand anderem die Tür aufzuhalten, den Kollegen bei einer Aufgabe zu unterstützen oder Müll, der auf dem Gehweg liegt aufzuheben und wegzuwerfen. Anderen zu helfen macht einfach glücklich und viele kleine Freundlichkeiten machen unsere Welt auf lange Sicht zu einem besseren Ort.

​(Soziale) Umwelt

Wir Menschen sind Teil dieser Welt, Teil des Ökosystems, Teil der Natur. Leider entfernen wir uns immer mehr von ihr und leben stattdessen in einer künstlichen Welt. Die Räume in denen wir uns aufhalten sind immer perfekt temperiert, im Winter läuft die Heizung und im Sommer die Klimaanlage. Alle Flächen werden penibel desinfiziert um ja nicht mit Schmutz und Keimen in Berührung zu kommen. Um Essen zu bekommen reicht der Gang zum Kühlschrank oder die Fahrt in den Supermarkt. Wir legen selbst die kürzesten Strecken mit dem Auto zurück und nehmen gerne den Aufzug anstelle der Treppen. Das macht uns allerdings verletzlich und anfällig. Wir brauchen aber verschiedene Umwelteinflüsse, um eine gewisse Robustheit bzw. Resilienz aufzubauen. Wenn wir uns regelmäßig Kälte, Hitze und verschiedenen anderen Umwelteinflüssen aussetzen, stärkt das unser Immunsystem und wir werden widerstandsfähiger.
Der andere Aspekt ist unsere soziale Umwelt. Wir sind soziale Wesen, Kontakt mit Familie und Freunden wirkt sich positiv auf unsere mentale Gesundheit aus. Schenke deinen Liebsten die Zeit und Aufmerksamkeit und Wertschätzung, die sie verdienen. Wenn du dich mit deiner Familie oder Freunden triffst, leg dein Smartphone weg und widme ihnen deine volle Aufmerksamkeit. ​Menschen mit starken und intakten sozialen Bindungen sind glücklicher, gesünder und leben länger. ​In diesem Sinne:

​                                             Wie sieht es mit deiner Basis aus?

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